In diesem Abschnitt über das Jahr 2024 geht es zunächst in drei IKZ-Artikeln über die Berichterstattung zum "65. Geburtstag" des ECD am 28.02.2024: IKZ vom 28.02. folgt hier, und weiter unten der IKZ-Artikel vom 29.02.2024 über das ECD-Traditions-Treffen in der Gaststätte Stindt in Deilinghofen und der IKZ-Artikel direkt  danach über den gestohlenen Kranz. Kurz später war der Erstliga-Klassenerhalt der Roosters geschafft, um den Jörg Schauhoff und die Deilinghofer Feiernden noch bangten. Schlimme Nachricht: Eine Woche nach dem genannten Treffen bei Stindt starb ECD-Mitbegründer Jörg Schauhoff (80) - mehr dazu HIER
Weiter unten wird an zwei andere ECD-Spieler gedacht, die auch 2024 gestorben sind: Igor Kalavsky und Gerd "Charly" Karl (Foto zusammen mit Jörg Schauhoff HIER)...


Titelseite des IKZ am 28.02.2024 mit ECD-Aufmacher (und danach der Artikel dazu):




"Nicht Letzter werden" hat auch nach 65 Jahren Bestand

Der EC Deilinghofen wurde heute vor genau 65 Jahren gegründet. Seitdem gab es nicht nur Erfolge, sondern auch einige Abstiege
IKZ 28.02.2024  Lokalsport



[zum Foto:] Der ehemalige Spieler des ECD Sauerland Iserlohn, Carsten Lang, in seiner "Hockeyhütte". Der Stürmer erinnert sich an die Chaos-Saison 1991/92 zurück. Thomas Schaefer
Von Thomas Schaefer
Iserlohn/Hemer Auf den Tag genau jährt sich an diesem Mittwoch zum 65. Mal die Gründung des Eishockey-Clubs Deilinghofen. Am 28. Februar 1959 wurden in der Deilinghofener Gaststätte Sonneborn die Wurzeln des heimischen Eishockeys gelegt. Mit Blick auf die aktuelle sportliche Lage der Iserlohn Roosters sollen am Jahrestag einmal die Abstiege betrachtet werden. Die Stürmer Dieter Brüggemann (1978, 1980) und Carsten Lang (1992) kennen das Gefühl, als Spieler einen sportlichen Niedergang miterlebt zu haben.
"Nur nicht Letzter werden", diese Maßgabe galt damals wie heute. Schon in der Premierensaison 1959/60 war der ECD in der Jugend-Landesliga mit diesem Ziel angetreten, ebenso die Roosters beim DEL-Einstieg 2000/01. In der laufenden Spielzeit ist das Fernbleiben vom 14. Platz am 8. März erforderlich, um nach 24 Jahren im Eishockey-Oberhaus und im 30. Jahr des Iserlohner EC nicht wieder den Gang in die zweite Liga antreten zu müssen. Es wäre nach 44 Jahren der zweite sportliche Abstieg aus der ersten Liga.

Dieter Brüggemann erlebte gleich zwei Iserlohner Abstiege mit
"Schön ist das nicht", weiß ECD-Rekordspieler Dieter Brüggemann (588 Spiele) aus eigener Erfahrung. Nach dem Gewinn der Relegation 1977 gegen Augsburg war der ECD im ersten Bundesligajahr mit nur vier Siegen Kanonenfutter. "Wir waren nicht konkurrenzfähig. Weder die Mannschaft noch das Umfeld", blickt der heute 70-Jährige zurück und erinnert sich an die rege Diskussion im Vorfeld der Entscheidungsspiele in der Aula der Deilinghofener Schule: "Bekommt ihr freitags überhaupt frei?", fragte der damalige ECD-Vorsitzende Wilhelm Gosselke die Spieler, die neben dem Eishockey noch ihren Berufen nachgingen. Weil in der Abstiegsrunde auch nur viermal gewonnen wurde, schien am 12. März 1978 die Rückkehr in die 2. Bundesliga besiegelt. "Das war ein verdammt hartes Lehrjahr", so Brüggemann.
Weil der DEB die Bundesliga von zehn auf zwölf Clubs aufstockte, blieb der EC Deilinghofen in der Bundesliga. Zwei Jahre später konnte man unter dem neuen Namen ECD Iserlohn den Abschied aus der 1. Bundesliga nicht verhindern. Nach einer mauen Saison verlor man das letzte und entscheidende Spiel in der Abstiegsrunde am 30. März 1980 gegen den VfL Bad Nauheim in der Eissporthalle mit 1:7.
Drei Jahre Bundesliga sorgten für ein Minus von einer halben Million Mark und den Rücktritt Gosselkes, der sich zuvor im IKZ-Interview noch kämpferisch gegeben hatte: "Der Zweitliga-Abstieg ist kein Grund zur Resignation." Aus Dieter Brüggemanns Sicht konnte man dieses Mal sportlich mithalten. "Wir waren konkurrenzfähig." Weil es am Ende aber nicht gereicht hatte, musste der zweitbeste ECD-Torjäger (294) hinter Gründungsmitglied Jörg Schauhoff (346) nicht nur den erstmaligen Abstieg seines Heimatvereins verdauen, sondern auch den Spott der Arbeitskollegen über sich ergehen lassen: "Am anderen Tag hatten sie mir bei Keuco einen Sarg hingestellt", schmunzelt Brüggemann heute. Der Aufwärtstrend über zwei Jahrzehnte hatte einen Rückschlag erlitten.
Zwei Jahre später sorgte Clubchef Heinz Weifenbach mit der Bewerbung in letzter Minute beim DEB in München für einen Aufstiegscoup. Am 8. Juli 1982 war der ECD wieder erstklassig. Die kommenden fünf Jahre blieb der ECD in der ersten Liga und feierte 1986 mit dem Erreichen des Playoff-Halbfinales den bisher größten Erfolg in 65 Jahren Eishockey. Am 6. Dezember 1987 sollte der ECD in Frankfurt (3:7) für die kommenden 13 Jahre sein letztes Spiel in der höchsten deutschen Spielklasse absolvieren. Drei Tage später ging der ECD in Konkurs.
Nach dem Neustart 1988 in der Oberliga, verbunden mit der direkten Meisterschaft und dem hürdenreichen Aufstieg in die 2. Bundesliga, geriet später die Saison 1991/1992 zu einer Chaosspielzeit. Spielertrainer Mark Taylor und Maurice Lemay brachten reichlich NHL-Erfahrung mit. Der polnische Nationalspieler Jerzy Christ war ein brillanter Techniker mit Torjägerqualitäten. Was auch für Guy Rouleau galt, der später zur tragischen Figur werden sollte. Als Vorletzter der 2. Bundesliga-Nord schloss der ECD die anschließende Zwischenrunde mit den Oberligisten als Spitzenreiter ab. In Sachen Klassenerhalt schien man alle Trümpfe in der Hand zu halten.

Drama am letzten Spieltag der Qualifikationsrunde gegen Essen
Die Entscheidung fiel in der Qualifikationrunde aber erst am letzten Spieltag gegen den EHC Essen-West. Der ECD benötigte lediglich einen Punkt aus dem Heimspiel gegen den Erzrivalen, der mit Peter und "Butzi" Gailer, Marcus Kolloch und Robert Simon gleich vier Ex-Iserlohner in seinen Reihen hatte. "Die Stimmung war gut, es prickelte im Westderby", erinnert sich Carsten Lang, der damals als 21-jähriger Juniorenspieler in der dritten Reihe auflief. "Wir waren die Auffüller und nicht ausschlaggebend. Unsere Reihe hat aber ihren Job erledigt und kein Gegentor kassiert." Was am Ende aber nicht half. Die Partie am 15. März 1992 ging mit 2:3 verloren. Guy Rouleau verschoss einen Penalty und traf in der 58. Minute nur den Pfosten. Das Bild mit dem völlig enttäuschten Kanadier an der Bande sitzend, der von Robert Simon getröstet wird, ist dem 53-jährigen in Erinnerung geblieben. "In der Kabine kochten die Emotionen hoch. Jeder hatte mit sich selbst zu tun. Wir jungen Spieler kümmerten uns um die Alten. Unser Masseur Dieter Grüter war auf 180 und ließ seine Wut an der Kabineneinrichtung aus."
Den Gang in die Oberliga musste der ECD aber dann doch nicht antreten, weil im Juni 1992 dem EV Füssen die Lizenz verweigert wurde und Iserlohn mal wieder am grünen Tisch eine Spielklasse nach oben rutschte. So bleibt es bislang bei dem einen sportlichen Abstieg. "Damals stiegen Vereine ab, heute sind es GmbHs. Die 24 Jahre in der DEL kann man nicht einfach wegschmeißen. Ein Abstieg wäre nicht gut", mahnt Dieter Brüggemann, und hofft, dass aktuell nicht erst am letzten Spieltag die Entscheidung fällt. "Das ist bisher nie gut ausgegangen." Carsten Lang zeigt sich derweil optimistisch: "Iserlohn hat das Momentum. Als Spieler will man sich das nicht mehr nehmen lassen. Du bist auf einer Welle, die dich trägt."

Der ganze Zeitungsartikel HIER:



 


Vier ECD-Mitglieder erinnern sich
Viele Weggefährten kamen zum 65. Jahrestag des Eishockeyclubs Deilinghofen - Zahlreiche interessante Anekdoten

IKZ 29.02.2024  Lokalsport



[zum Foto:] Der ehemalige Spieler des ECD Sauerland Iserlohn, Carsten Lang, in seiner "Hockeyhütte". Der Stürmer erinnert sich an die Chaos-Saison 1991/92 zurück. Thomas Schaefer

Von Thomas Schaefer

Viele Weggefährten kamen zum 65. Jahrestag des Eishockeyclubs Deilinghofen. Zahlreiche interessante Anekdoten
Hemer Nicht am, aber im gleichen Ort trafen sich am Mittwochabend einige Gründungsmitglieder des EC Deilinghofen und viele ehemalige Spieler aus der Ära des ECD. Treffpunkt war diesmal die Gaststätte Stindt in Deilinghofen und nicht wie vor genau 65 Jahren die Gaststätte Sonneborn.
Jörg Schauhoff war nicht nur einer der anwesenden vier Gründungsmitglieder, sondern auch der Initiator des Treffens, zu dem insgesamt 24 Gäste erschienen waren. Auch 65 Jahre nach der Gründung konnte er sich noch genau an seine Gefühlslage am 28. Februar 1959 erinnern: „Respekt hatten wir keinen, wovor auch? Wir wussten doch überhaupt nicht, was auf uns zukommt. Bis auf einige Freundschaftsspiele hatten wir ja noch keinerlei Erfahrung. Wir waren alle ,Eishockey-blind‘.“
Zwar frönten die Deilinghofener Schüler schon seit einigen Jahren diesem Sport, mit Eishockey hatte das aber bis 1958 nicht wirklich etwas zu tun. „Wir haben uns häufig auf dem sogenannten Pastorenteich getroffen und haben dort Apricke gegen Oberdorf gespielt. Jeder hat einen Knüppel in die Hand genommen und dann sind wir einer Dose hinterhergejagt“, schaut Schauhoff auf die Anfänge zurück. „Schlittschuhe hatte ich auch noch keine. Ich war einer von denen, die mit normalen Schuhen gespielt haben.“
An sein erstes Paar Schlittschuhe kann sich der Stürmer noch genau erinnern. „Damals gab es nur ein Sportgeschäft in Dortmund und das Schuhhaus Stehmann in Sundwig, die Schlittschuhe verkauften. Mein erstes Paar habe ich zwar geschenkt bekommen, aber ich weiß noch, dass sie 56 Mark gekostet haben. Nur zum Vergleich: In meiner Ausbildung habe ich 2,08 Mark die Stunde verdient.“ Eine kostspielige Angelegenheit, die von den Jugendlichen allein finanziell gar nicht gestemmt werden konnte. Deshalb mussten immer wieder die Eltern in die Bresche springen.

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"Respekt hatten wir keinen, wovor auch? Wir wussten doch überhaupt nicht, was auf uns zukommt."
rg Schauhoff, Gründungsmitglied  des EC Deilinghofen
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Nach unserer Gründung haben wir dann irgendwann auch die Genehmigung des Verbandes zur Aufnahme in den Spielbetrieb bekommen. Wir hatten aber weder eine eigene Halle, noch einen Trikotsatz, geschweige denn die Ausrüstung“, so Jörg Schauhoff. Erneut mussten die Eltern in Vorleistung treten. „Das Equipment ohne Schlittschuhe samt Trikotsatz für die Mannschaft hat 3500 Mark gekostet. Von uns 14 Spielern durften sechs altersbedingt nicht mehr im Nachwuchs spielen. Die bekamen dann auch nichts, obwohl sie weiter bei uns mittrainierten.“
Einer dieser Unglücklichen war Friedrich-Wilhelm „Menne“ Schmidt. Er war bereits 19 Jahre und damit zu alt für das Jugendteam. „Ich habe dennoch mittrainiert, aber mich bei einem Zusammenprall so schwer verletzt, dass ich krankfeiern musste. Danach habe ich aufgehört, selbst aktiv zu spielen.“ Dies bedeutete aber nicht sein Ende im Verein. Ab Anfang der 60er Jahre war er der Fahrer des Mannschaftsbusses. „Ich kann mich besonders an eine Rückreise aus Hamburg erinnern. Da ist mir der Gaszug gerissen und wir mussten in die Werkstatt. Die Spieler habe ich in der Kneipe gegenüber abgesetzt. Zwischendurch habe ich immer mal nach ihnen geschaut. Die Stimmung wurde von Mal zu Mal besser und als der Bus notdürftig repariert war, hing ein Schläger von uns über dem Tresen.“
Reinhard Kasper rätselte über die Funktion des Tiefschutzes
Auch die Kasper-Brüder gehören zu den Gründungsmitgliedern und erinnerten sich auf dem Treffen an die Situation in der Kabine, als vor ihnen der Berg an Ausrüstungsgegenständen lag. „Ich hörte nur noch: ,Ich will die Nummer und ich will da sitzen‘“, erinnert sich Hans Kasper an das Durcheinander. Sein Bruder Reinhard beschäftigte dagegen ein ganz anderes Problem. „Als ich den Tiefschutz zum ersten Mal sah, dachte ich nur: Was mache ich denn damit? Wir wussten ja überhaupt nicht, wie die Ausrüstung getragen wird.“
An viele schöne Geschichten denkt Jörg Schauhoff noch heute zurück, obwohl er auch noch weiß, warum er damals seine Schlittschuhe an den Nagel gehängt hat. „Du bist montagmorgens mit dem Bus aus Bayern nach Hause gekommen. Während an den Bushaltestellen schon Leute auf den Bus zur Arbeit warteten, habe ich mich im Mannschaftsbus schnell rasiert und bin dann fast ohne Schlaf auch zur Arbeit. Das wurde mir dann irgendwann zu viel.“


Und wieder der ganze Artikel:


STADTSPIEGEL-Version der Darstellung des gleichen Abends (STADTSPIEGEL vom 09.03.2023)



Dazu einige eigene Schnappschüsse bei Stindt (Fotos  Friedhelm Groth):



Jörg Schauhoff, der Organisator (leider sollte es seine letzte Veranstaltung sein...)



Jörg Schauhoff im Gespräch mit Daniel Hesmert



Bernd Schutzeigel bei Stindt



Meine Sitznachbarn bei Stindt: Thomas Reichel (mit Brille), Ernst König (mit blauem Hemd), oben Dieter Brüggemann, hinten Frank Lehmann (zuständig für das Eishockeydenkmal)



Gerd Müll erzählt von glorreichen Zeiten als Deutscher Meiste in Berlin



Der frühere Torwart Herbert Prinz erschien im weißblauen ECD-Dress, hinten vor der Wand der Spieler mit den längeren Haare: Daniel Hesmert



Und dann noch Tischschmuck besonderer Art


Andenken
65 Jahre ECD: Unbekannte stehlen Kranz in Deilinghofen

29.02.2024, 14:44 Uhr • Lesezeit: 3 Minuten
Von Annabell Jatzke



[zum Foto:] Zum Gründungstag des ECD vor 65 Jahren wurde an der Erinnerungsstätte ein Kranz niedergelegt. © Annabell jatzke | Annabell Jatzke
Hemer. Der ECD ist 65 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wurde in Deilinghofen ein Kranz niedergelegt, der dann gestohlen wurde. Wer kennt die Täter?

Die Gründung des EC Deilinghofen in Hemer jährte sich am Mittwoch zum 65. Male. Dies nahm der Förderverein des Eishockey-Museums „Puck“ zum Anlass, an der Wiege des Eishockeys der verstorbenen Gründungsmitglieder zu gedenken. Am Mittwochabend kamen Förderer, frühere Spieler und Gründungsmitglieder sowie Interessierte an der Europastraße an der Erinnerungsstätte zusammen. Rainer Tüttelmann vom Verein „Puck“ erklärte in einer kurzen Ansprache die Bewegungsgründe für die anschließende Kranzniederlegung. Selbstverständlich war der Kranz in den Vereinsfarben blau-weiß gehalten.
Böse Überraschung am Donnerstagmorgen
Die Freude über den schönen Kranz und die tolle Geste in Erinnerung an die verstorbenen Gründungsmitglieder währte allerdings nicht lange. Zwischen Mittwochabend 19 Uhr und Donnerstagmorgen 5 Uhr wurde der Kranz von der Gedenkstätte entwendet. Ein Vorstandskollege von Rainer Tüttelmann entdeckte dies auf dem Weg zur Arbeit.



Großes Unverständnis in den Reihen des Fördervereins
Bei Rainer Tüttelmann und dem Förderverein herrscht Unverständnis. Der Verein erstattete bei der Polizei Hemer Anzeige gegen Unbekannt. Zugleich lobte man eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für denjenigen aus, der den sachdienlichen Hinweis zur Aufklärung des Diebstahls geben kann. Hinweise nimmt die Polizei unter 02372/90990 entgegen.

Wer hat etwas mitbekommen?
Noch tappen alle im Dunklen. War es ein dummer Jungenstreich? Es wird vermutet, dass der oder die Täter sehr wohl etwas von der Kranzniederlegung wussten. Teilweise wurden schon umliegende Unternehmen befragt, ob sie etwas mitbekommen haben oder auf ihren Videoüberwachungen etwas zu sehen ist. „Es ist unbegreiflich, dass jemand etwas Persönliches über die Gesamtheit stellt und die Tradition so mit Füßen tritt“, so Tüttelmann.
Es ist unbegreiflich, dass jemand etwas Persönliches über die Gesamtheit stellt und die Tradition so mit Füßen tritt.
Rainer Tüttelmann
Als das Eishockey-Museum vor fünf Jahren eröffnet wurde, haben sich die Initiatoren die Pflege der Geschichte des heimischen Eishockeys auf die Fahne geschrieben. Wenn die Eishockeybegeisterten damals in Deilinghofen nicht gewesen wären, dann wäre sicherlich die Begeisterung für die Sportart in der heimischen Region nicht so groß. Deshalb ist man den Gründungsmitgliedern dankbar. „Wir zehren davon, dass sie sich einst zur Gründung entschlossen haben“, so Tüttelmann, der sich freute, mit Friedrich-Wilhelm, genannt Menne, Schmidt ein Gründungsmitglied vor Ort begrüßen zu können.
Die Ehemaligen des ECD feierten den Gründungstag am Abend noch mit einem gemütlichen Beisammensein in der Gaststätte Stindt. Und alle drücken nun den Iserlohn Roosters, die aus dem ECD hervorgegangen sind, bei den letzten Spielen der Saison die Daumen für den Verbleib in der ersten Deutschen Eishockey Liga.


Ekstase am Seilersee: Mehr als 1300 Fans feiern mit den Roosters
Anhänger bereiten der Mannschaft am Sonntagabend nach ihrer Rückkehr aus Frankfurt einen triumphalen Empfang




[zum Foto:] Auch Goalie Andy Jenike, seit jeher Fan-Liebling und einer der Garanten des vollbrachten Wunders, genoss mit freiem Oberkörper die Party mit den Fans. Dennis Echtermann
Von Oliver Bergmann
Iserlohn Das Iserlohner Wort des Jahres 2024 steht jetzt schon fest: Klassenerhalt. Immer und immer wieder fiel es am Sonntagabend vor der Balver-Zinn-Arena. Mal wurde es mit hochgerissenen Armen laut herausgeschrien, mal den Freunden breit grinsend ins Gesicht gejubelt. Wen man auch fragte: Jeder gab zu, den Glauben an den Fortbestand der Erstligazugehörigkeit zwischenzeitlich verloren zu haben. „Anfang Dezember war es doch klar, dass die Mannschaft vom letzten Platz nicht mehr wegkommt“, sagte ein Fan in Begleitung zweier Kumpel auf dem Weg vom Parkplatz am Seilerblick zur Eissporthalle. „Aber das Wunder ist tatsächlich passiert“, fügte er hinzu. Felix aus Iserlohn hatte das Motto „Totgesagte leben länger“, das die Vereinsverantwortlichen nach dem Erfolg am Nachmittag ausgegeben hatten auf ein Schild geschrieben. Auch er hatte die Saison nicht viel anders erlebt: „Zu einem gewissen Zeitpunkt habe ich mich damit abgefunden, aber ein Funke Hoffnung war doch immer da – dank des Trainerwechsels.“
Unter das feiernde Volk mischte sich auch die Iserlohner Prominenz. Bürgermeister Michael Joithe hatte sich umgehend auf den Weg gemacht, als er von dem geplanten Empfang erfuhr. Er sprach von einer „Riesen-Erleichterung“, dass es die Mannschaft im zweiten von drei Endspielen geschafft hat, und zeichnete das Stimmungsbild durch die Frage „Wer hätte darauf im Dezember gewettet?“ punktgenau nach. Auch von einer „kleinen Meisterfeier“ war immer wieder die Rede.
Gelassen warf auch die Polizei ein Auge auf die Feiernden – und zwar wirklich nur eins. Das andere wurde zugedrückt, etwa als Raketen in den Himmel schossen oder bengalische Feuer gezündet wurden. Ein Beamter schätzte die Summe der Versammelten gegen 20.45 Uhr auf 1200. Danach trafen immer noch Busse mit Fans vor der Eissporthalle ein. Sie hatten Glück, nichts verpasst zu haben, denn die Roosters selbst hatten die Ankunft der Mannschaft für zunächst 19.30 Uhr angekündigt.
Dass es schließlich 21.15 Uhr wurde, machte aber keinem der Wartenden etwas aus. Im Gegenteil: Immer wieder wurden Fan-Gesänge angestimmt, die Stimmung war schon bestens, bevor der Bus hupend über die Seilerseestraße gedüst kam. Die Blaulichter der Streifenwagen leuchteten auf und die Geräuschkulisse stieg noch einmal sprunghaft an. Ein Rooster-Spieler nach dem anderen stieg aus, wurde mit Sprechchören gefeiert und heizte seinerseits der Menge ein. Cedric Schiemenz war der erste, der auf die Halterung des rechten Außenspiegels stieg, dort tanzte und sein T-Shirt ins Publikum schleuderte. Wie hunderte Fans auch war es anderen Spielern wichtig, den Augenblick per Handy festzuhalten. Andy Jenike war der nächste mit freiem Oberkörper, es folgte der ebenso frenetisch gefeierte Kapitän Hubert Labrie, und Taro Jentzsch kam der Aufforderung einiger Ultras nach, sein Talent als Trommler zu beweisen. Noch in Frankfurt, unmittelbar nach Spielende, hatte Roosters-Boss Wolfgang Brück am Mikrofon von „MagentaSport“ angekündigt: „Heute ist alles egal, heute wird Gas gegeben. Heute gibt es nur noch Vollgas.“ Das ließen sich weder Spieler, noch Fans zweimal sagen und feierten schon vor der Halle bis gegen 22.30 Uhr.


 


Eishockey (Update)
Trauer um ECD-Legende: Jörg Schauhoff nach Sturz gestorbenHemer: ECD-Mitbegründer Jörg Schauhoff ist gestorben
KZ 06 bzw. 07.03.2024, 18:14 Uhr • Lesezeit: 3 Minuten
Von Willy Schweer und Oliver Bergmann
ECD-Mitbegründer und Rekordtorschütze Jörg Schauhoff ist am Mittwoch im Alter von 80 Jahren gestorben.



[zum Foto:] ECD-Mitbegründer und Rekordtorschütze Jörg Schauhoff ist am Mittwoch im Alter von 80 Jahren gestorben. © IKZ | Michael Topp

Deilinghofen. Jörg Schauhoff ist tot. Der Mitbegründer des EC Deilinghofen hat sich große Verdienste um das Eishockey in der Region erworben. Ein Nachruf.
Die Iserlohner Eishockeyfamilie trägt Trauer: Jörg Schauhoff, Mitbegründer des EC Deilinghofen, ist am Mittwoch im Alter von 80 Jahren gestorben. Exakt eine Woche zuvor stand er noch im Mittelpunkt der Feier aus Anlass des 65. Jahrestages der ECD-Gründung. Nach einem Sturz lag er in den vergangenen Tagen im Krankenhaus, von den Verletzungen konnte er sich nicht mehr erholen.
Jörg Schauhoff war nicht nur Grundsteinleger für die Eishockeybegeisterung im Sauerland, sondern auch ein herausragender Spieler seines Vereins. Die 346 Treffer, die er bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn im Jahr 1977 erzielte, sind ein bis heute unerreichter Vereinsrekord.
Von den 31 Gründungsmitgliedern des EC Deilinghofen war Jörg Schauhoff derjenige mit dem höchsten Bekanntheitsgrad. Leidenschaftlich verfolgte er in den Jahren und Jahrzehnten danach die Höhen und Tiefen, die sein ECD und die Vereine durchmachten, die die 1959 begründete Tradition fortführten, teilweise gestaltete er sie auch aktiv mit. 1993 war er noch sportlicher Berater des ECD Sauerland, auch wenn er später einmal sagte: „Ich durfte nur getroffene Entscheidungen abnicken, und so etwas ist nichts für mich.“ Es war das letzte offizielle Amt, das er im Verein bekleidete.
„Er hat sich für alles eingesetzt, das verlangt Respekt“, sagte sein früherer Weggefährte Dieter Brüggemann und nannte als Beispiele das Eishockeymuseum „Puck“, in dem zahlreiche Exponate aus Schauhoffs unfassbar umfangreichen Eishockey-Archiv ausgestellt sind, und das Denkmal in Deilinghofen. Ein Denkmal setzten den beiden spätestens im September 2014 auch die Iserlohn Roosters. Damals wurden ihre Trikots unter das Hallendach gezogen. Dieter Brüggemanns Nummer 21 und Jörg Schauhoffs Nummer 5 werden seitdem nicht mehr vergeben.
Vergeben, das konnte der streitbare Stier auch. Nach jahrelanger Distanz zu den Roosters hatte er wieder den Zugang zum Klub gefunden und verpasste nur wenige Heimspiele. So erlebte er auch noch hautnah die Aufholjagd des Teams seit Jahresbeginn noch mit, an die er selbst nicht mehr glaubte. Wolfgang Brück, Geburtshelfer des Iserlohner EC, heute dessen Vorsitzender und geschäftsführender Roosters-Gesellschafter, erinnert sich: „Mitte der 90er Jahre ist man distanziert miteinander umgegangen. Irgendwann, vor zehn, zwölf Jahren, bin ich mal eingeladen worden, und da haben beide gemerkt, dass dieses aneinander Vorbeileben gar nicht mehr sachlich zu begründen war. Seit vielen Jahren war das Verhältnis wieder völlig entspannt und positiv.“
Jörg Schauhoffs plötzliches Ableben nennt Brück tragisch. „Er ist aus dem Leben gerissen worden. Am Wochenende bestand wohl noch Hoffnung, dass er wieder auf die Beine kommt. Aber jetzt müssen wir feststellen, wie sehr die Glücksgefühle über den Nichtabstieg und das unbarmherzig zuschlagende Schicksal beieinander liegen. Und wir stellen wieder einmal fest, dass es bei allem sportlichen Ehrgeiz mit allen positiven und negativen Emotionen noch etwas Wichtigeres im Leben gibt, nämlich die Gesundheit.“
Wenn man ein paar Wochen zurückdenkt, wirkt es wie eine Vorahnung. Damals beschäftigte ihn die Frage, ob man den 65. Geburtstag des ECD wirklich feiern sollte. „Aber wir werden ja alle nicht jünger. Wer weiß, wer sich zum 70. noch darum kümmern kann“, gab Jörg Schauhoff zu bedenken. Also machte er sich wie selbstverständlich an die Arbeit, organisierte den Veranstaltungsraum, schrieb Einladungen und erledigte auch diese Geburtstagsvorbereitung. So wie er es schon zu den runden Jubiläen getan hatte..
 



Iserlohn - Eishockey-Fans trauern um Igor Kalavsky
Von Hendrik Klein, 30.1.2024 (lokaldirekt.de)



[zum Foto:] Gesundheitlich bereits angeschlagen besuchte Igor Kalavsky im November 2021 das Eishockeymuseum "Puck". - Foto: Michael Schmitten / Eishockeymuseum


Iserlohn. Die Eishockey-Fans in Iserlohn und Hemer - zumindest die älteren unter ihnen - trauern um Igor Kalavsky. Der ehemalige Spieler des EC Deilinghofen ist jetzt im Alter von 72 Jahren verstorben. Kalavsky schnürte zum ersten Mal in der Saison 1972/1073 seine Schlittschuhe für den damaligen EC Deilinghofen. Mit dem stürmte er in die zweite Bundesliga und spielte bis 1976 im Trikot der Iserlohner Kufencracks. Es folgte ein Wechsel zum EHC Westfalen Dortmund. Dem Oberligateam blieb Igor Kalavsky bis 1980 treu.

Wechsel nach Unna
Seine nächste sportliche Station war der Königsborner EV, der spätere EHC Unna. Diesem Verein blieb der Stürmer bis nach der Saison mit Einsätzen in der Oberliga sowie zwischenzeitlich in der Regionalliga bis 1990 verbunden. In Unna war der Hemeraner vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert worden.

Als "Eishockey-Gott" gefeiert
In Unna war der Spieler mit der Rückennummer 16 von den Fans als "Eishockey-Gott" gefeiert worden. Igor Kalavsky trug sowohl für den Königsborner EV als auch für den EHC Unna das "C" für den Kapitän auf dem Trikot. Den 80er Jahren gehörte der Hemeraner zweifelsfrei zu den Mitbegründern des Eishockeysports in der Nachbarstadt Unna.

2021 Besuch im Eishockey-Museum "Puck"
Besonders gefreut hat sich Igor Kalavsky über die Gründung des Eishockey-Museums "Puck" am Sauerlandpark in Hemer sowie über das Eishockey-Denkmal in Hemer-Deilinghofen. Trotz der dort schon angeschlagenen Gesundheit besuchte der 72-Jährige noch im November 2021 das Museum.

 



Zum Tod von "Charly" Karl haben wir keinen Nachruf, aber dieses Foto, das die beiden inzwischen leider verstorbenen Jörg Schauhoff und Charly Karl (links) gemeinsam zeigt (Dank an Gerd Engelberg!):



Im folgenden  IKZ-Artikel vom 09.03.2014 wird berichtet, wie just vor dem letzten Heimspiel der Iserlohn Roosters der Nichtabstieg gefeiert wurde und wie (s. u. den kursiv gedruckten Abschnitt "Innehalten für ECD-Legenden") -t vor diesem Spiel der beiden verstorbenen "Ur-ECD-Spieler" Gerd "Charly" Karl und Jörg Schauhoff gedacht wurde - hier der Wortlaut des Artikels:

Jenikes Roosters-Bekenntnis sorgt für Gänsehaut-Stimmung
Trotz der Niederlage gegen Schwenningen ist die Stimmung in der Balver-Zinn-Arena beim letzten Heimspiel der Roosters am Siedepunkt
Von Oliver Bergmann
IKZ, 09.03.20234
Iserlohn Eher denkwürdig statt bedeutungslos war der Freitagabend in der Balver-Zinn-Arena, hatten die Verantwortlichen doch zwei Überraschungen für die Fans vorbereitet und darüber hinaus noch einige weitere Punkte auf dem Verlaufsprotokoll rund um die Partie gegen die Schwenninger Wild Wings.
Für frenetischen Jubel sorgte nach Spielende die Bekanntgabe der Vertragsverlängerung mit Goalie Andreas Jenike, die er selbst vornahm. Der 35-jährige Publikumsliebling und Leistungsträger machte es spannend: Er sprach von einer ganz besonderen Zeit, bedankte sich für die Unterstützung, die besonders für diese Saison galt, und kündigte an, nach fünf Jahren die Familie ,zusammenzupacken‘ und nach Hause zu fahren.
Die Fans hielten schon die Luft an, aber so bekam jeder mit, dass Jenike die entscheidende Botschaft erst noch bekannt zu geben hatte: „Wir sehen uns am 1. August hier wieder.“
Zunächst, und lange vor Beginn des Spiels, wurde Klaus Schröder verabschiedet. Er hat bis 2022 insgesamt 18 Jahre in verschiedenen Funktionen für die Young Roosters gearbeitet. Hallensprecher Volker Halfmann erinnerte an zwei DNL-Aufstiege während seiner Wirkungszeit, natürlich auch an den Gewinn der Deutschen Schülermeisterschaft 2016 und zahlreiche Spieler, die von den Young-Roosters stammen und Profis geworden sind.
Bejubelt wurde dann die Bekanntgabe des Verbleibs von Sven Ziegler, der gegen Schwenningen sein 500. DEL-Spiel bestritt und seit 2021 für die Roosters auf Torejagd geht. Roosters-Boss Wolfgang Brück hatte natürlich ein Trikot mit der Nummer 500 besorgt und es dem 29-Jährigen überreicht.

Innehalten für ECD-Legenden
Auf dem Protokoll standen aber auch zwei Einträge, auf die jeder lieber verzichtet hätte. Einleitend mit den Worten „die gesamte Roosters-Familie trauert um zwei Größen unserer Eishockey-Historie“ wurde zunächst Gerd „Charly“ Karl gedacht, der am 25. Februar im Alter von 75 Jahren starb. Halfmann erinnerte daran, dass es sich bei dem gebürtigen Iserlohner um einen der besten Stürmer der Vereinsgeschichte handelte. In mehr als 400 Spielen war er häufiger als 200 Mal erfolgreich.
Erst wenige Tage liegt der Tod des ECD-Mitbegründers und Rekordtorschützen (346 Treffer) Jörg Schauhoff zurück. Der 80-Jährige, zu dessen Ehren das Trikot mit der Nummer 5 nicht mehr vergeben wird, ist den Ausführungen zufolge bereits am Dienstag, also am 5. März gestorben. Die Nachricht von seinem Ableben machte erst am Mittwoch die Runde. Während der Gedenkminute, in der auch die Schwenninger Fans schwiegen, war nur das Surren der Maschinen zu hören.
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Mit derart beschwerlichen Gedanken wurde das Spiel aber nicht eröffnet. Es brandete noch einmal Jubel auf, und der galt – das ist in dieser Form wahrscheinlich einzigartig in der 53-jährigen Geschichte der Eissporthalle – einem der Schiedsrichter.
Mit Lasse Kopitz durfte in seinem letzten DEL-Hauptrundenspiel der Mann die praktisch bedeutungslose Partie leiten, den die Fans schon als Spieler feierten. Prompt wurde der alte Klassiker „Lasse K. – Superstar“ angestimmt.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt war die Stimmung von Sonntagabend zurück. Sie litt auch nicht unter den vier Gegentoren, mit denen die Wild Wings jeweils in Führung gingen, und dem Empty-Net-Tor, das den Deckel draufmachte. Erst eine Dreiviertelstunde nach Spielende begann sich die Halle zu leeren. Etliche Fans hatten das Singen zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht eingestellt.

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Passend zu diesem Thema des Gedenkens an die beiden verstorbenen Spieler steht hier am Ende die Familien-Traueranzeige für Gerd Karl: